06.11. – 09.11. Suzhou

Nachdem wir nun schon 2 Metropolen in China gesehen hatten, dachten wir uns jetzt wird es Zeit für etwas Natur. Unser nächstes Ziel hieß Suzhou die Stadt der Gärten (in den Reiseführern liest man Sachen wie „Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“ oder „Venedig des Ostens“). Allerdings sieht die Wirklichkeit ganz anders aus…

Nun der Reihe nach: Irgendwie war es nicht unser Tag. Zunächst mussten wir vom Hostel mit der Metro zum Hauptbahnhof. Auf der Karte sah alles so nah und einfach aus also planten wir großzügig eine Stunde für diese Strecke ein. Falsch gedacht, denn die Metrostationen haben hier die Ausmaße des Berliner Hauptbahnhofs und ein Umsteigen von einer Linie zur anderen kommt einer Weltreise gleich. Somit hechteten wir natürlich nach ausführlichen Sicherheitskontrollen in letzter Sekunde in den Zug. Als wir es uns gerade gemütlich gemacht hatten, war die Fahrt auch schon wieder vorbei, denn der Schnellzug braucht hier für ca. 90km nur 25min.

In Suzhou angekommen entpuppte sich diese kleine beschauliche Gartenstadt, als 1,6 Millionenstadt mit zahllosen Shoppingmalls und hässlichen grauen Wohnblöcken soweit das Auge reicht. Unser Vorhaben, zum Hostel zu laufen scheiterte bereits am Bahnhof, da es uns auf Grund von Bauarbeiten nicht möglich war auf die Südseite zu kommen. Also schnappten wir uns ein Taxi und der Fahrer nickte auch ganz zuversichtlich, als wir ihm die Adresse von unserem Hostel vor die Nase hielten. Allerdings stellte sich sehr schnell raus, dass er keine Ahnung hatte. Bei der Fahrt mussten wir auch feststellen, dass sich unsere ursprüngliche Idee mit dem „zum Hostel laufen“ als unmöglich darstellte. Die Entfernungen sind hier einfach enorm, alles ist extrem weitläufig und unsere Karte hatte wohl den falschen Maßstab.

Nachdem sich unser Fahrer bei etlichen Passanten nach dem richtigen Weg erkundigte und unsere Geduld ordentlich strapazierte, landeten wir zumindest laut unserer tollen Karte irgendwo in der Nähe des Hostels. Dieses „irgendwo“ war Mitten in einer riesigen Einkaufsstraße (vergleichbar mit dem Ku’damm in Berlin allerdings als Fußgängerzone). Man hat hier in China sowieso den Eindruck, dass das Leben vieler Chinesen nur aus Essen und shoppen besteht – keine Ahnung wo die das Geld dafür hernehmen, denn die Preise sind mit unseren in Deutschland vergleichbar.

Frohen Mutes stampften wir vollgepackt mit unseren Rucksäcken los. Allerdings tat sich ziemlich schnell ein neues Problem auf. Wir konnten die Adresse nicht finden und wirklich niemand auf der Straße wollte oder konnte uns helfen. Der eine zeigte nach links, der andere nach rechts. Es war einfach zum Verzweifeln, da unsere paar Brocken chinesisch bei weitem nicht ausreichten und niemand Englisch sprach. Um uns herum waren nur chinesische Zeichen und auch Hausnummern suchten wir vergebens. Nach 2 qualvollen Stunden (unsere Rucksäcke wurden in der Zwischenzeit leider auch nicht leichter…) und vielen angesprochenen Chinesen später, fanden wir endlich eine englischsprechende Schmuckverkäuferin die wohl schon mal von unserem Hostel gehört hatte. Aha – na immerhin ein Anfang, dachten wir uns und folgten ihrer Wegbeschreibung. Leider ohne Erfolg, denn wir standen vor einem Gebäude was nicht einmal annähernd wie unsere Unterkunft für die nächsten Tage aussah. Komisch, mittlerweile war die sonst eher als harmonisch zu betrachtende Stimmung zwischen uns beiden irgendwie verflogen. Auf gut Deutsch, wir hatten langsam die Schnauze gestrichen voll.

Unser Retter in der Not war dann ein Straßenverkäufer, der uns eigentlich nur gefälschte Uhren und Taschen sowie das neueste iPhone6 🙂  andrehen wollte. Er führte uns zurück zu dem schon erwähnten Haus und meinte wir seien da schon richtig. Hä dachten wir uns, sieht der Typ das gleiche wie wir!? Also wir sahen nur chinesische Zeichen und Reklame für ne Pizzeria. Tja als wir dann doch mal reingegangen sind, war da plötzlich eine Rezeption und die nette Dame hielt unsere Reservieungsbestätigung schon in der Hand. Das Hotel hieß zwar ganz anders und die Adresse war auch eine andere aber wir hatten da wohl ein Doppelzimmer gebucht. Na gut… Im Nachhinein betrachtet, waren wir wohl die einzigen Gäste, die ihr Zimmer für mehrere Tage und nicht stundenweise gebucht hatten 😉

Unsere ursprünglichen Erwartungen in Suzhou haben sich leider nicht erfüllt, dennoch entdeckten wir ein zwei schöne Parks und Gärten in denen man noch etwas Ruhe und Natur fand. Sonst war von dem „Venedig des Ostens“ nicht mehr viel zu sehen. Lediglich eine Handvoll der ursprünglichen Kanalstraßen, die einen Eindruck vom früheren Leben in Suzhou vermitteln können sind noch übrig.

 

China

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