21.10.2012 Varanasi – heilige Stadt am Ganges

Puuuhhh… War das ne Zugfahrt! es ging insgesamt 19 Stunden quer durch Indien von Jaipur nach Varanasi und wir kamen uns manchmal vor wie in einem rollenden Zoo 😉 Gut, dass unsere Pritschen ganz oben waren, denn es huschten hin und wieder ein paar Mäuse durchs Abteil. Kein Wunder bei all den Essensresten und dem Müll im Zug. Am Abend kamen noch unzählige Insekten dazu, die durch das offene Fenster und das Licht im Zug geradezu eingeladen wurden. Einige Bahnhöfe wurden auch von Affen bevölkert, die bereitwillig durch unsere indischen Mitreisenden mit Bananen gefüttert wurden. Als die Affen daraufhin wie die Bekloppten von außen an den Fenstern hingen, hatten wir kurz Bedenken, dass die Horde gleich durch den ganzen Zug wüten würde. Punkt 22 Uhr hieß es dann „Bettchen machen, Licht aus, Ruhe im Schiff“. Wir konnten sogar ein wenig schlafen, obwohl wir uns wie die Ölsardinen gefühlt haben.

Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit (und einem komplett durchgelesenem Krimi) kamen wir in Varanasi, der heiligsten Stadt der Hindus an.

Die Stadt Varanasi liegt am westlichen Ufer des Ganges und ist bekannt für seine zahlreichen Ghats ( Treppen hinunter zum Fluß) wo sich das komplette öffentliche Leben abspielt.

Was uns hier erwartete ist kaum mit Worten zu beschreiben… Wir versuchen es trotzdem: Leben und Tod treffen genau hier am Ganges aufeinander! Viele Pilger kommen hierher, um sich im Fluss von ihren Sünden reinzuwaschen. Andere wiederum kommen um zu sterben oder einen Angehörigen an den Fluß zu übergeben.

Im Hinduismus glaubt man, dadurch den Kreis der Wiedergeburt zu durchbrechen und somit ins Nirvana zu gelangen.

Bei unseren Spaziergängen entlang der Ghats und einer Bootstour bei Sonnenaufgang konnten wir sehr vielfältige und auch teilweise sehr erschreckende Eindrücke gewinnen. An einer Stelle waschen die Menschen ihre Kleidung, Kinder spielen Cricket oder lassen Drachen steigen, andere machen Yoga oder verrichten ihre Morgentoilette und keine 5 Meter weiter liegen Scheiterhaufen auf denen die Leichen verbrannt werden. In all dem Getümmel sind natürlich auch Kühe, Wasserbüffel, Ziegen, Schafe, Hunde, Affen sowie ihre Exkremente anzutreffen.

Eh wir uns versahen standen wir inmitten des größten Verbrennungsghats… Hier werden rund um die Uhr öffentlich und für jedermann zugänglich Leichen verbrannt ( bis zu 350 am Tag). Das Prozedere läuft wie folgt ab: die männlichen Verwandten (Frauen sind hier nicht erlaubt) tragen den in Tüchern eingewickelten Leichnam auf einer Bambustrage zur letzten Waschung in den Ganges. Dann geht der Älteste Sohn, Vater oder Ehemann zum Barbier um sich den Kopf kahl rasieren zu lassen und zieht sich eine weiße Tunika an. Dann holt er Feuer von der ewigen Flamme und brennt den vorher säuberlich aufgestapelten Scheiterhaufen mitsamt der Leiche an. Insgesamt dauert das Ganze 3 Stunden und die Überreste werden dann dem Fluß übergeben. Für uns war das Ganze schon sehr befremdlich, da man plötzlich mitten drin stand und das Gesehene gar nicht so schnell verarbeiten konnte… Trotzdem war es eine sehr friedliche Stimmung. Man sah keine Tränen und Trauer, da es für die Verwandten ein Trost ist, dass die Seele des Verstorbenen nun erlöst ist.

Kinder, schwangere Frauen und kranke Menschen werden jedoch davon ausgeschlossen. Sie gelten als rein und werden mit einer Steinplatte beschwert direkt im Ganges versenkt. Leider kommt es hin und wieder vor, dass diese zurück an die Oberfläche kommen und ans Ufer gespült werden. Auch diese Erfahrung mussten wir machen.

Der Aufenthalt hier ist auf jeden Fall die krasseste Erfahrung die wir bis jetzt machen durften! Generell haben wir hier in Indien eine uns völlig fremde, aber sehr interessante Kultur kennengelernt und sind froh hier gewesen zu sein.

Nun neigt sich die Zeit unserer ersten Station auch schon dem Ende zu und es geht in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag weiter nach China.

Leider werden wir immer wieder von Stromausfällen und zusammenbrechenden Internetverbindungen heimgesucht 😦 so dass wir Euch die Bilder erst beim nächsten mal zeigen können…

Indien

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Auweia…Gleiches hatte ich ja in BananaPancake Trail gelesen, aber das es real tatsächlich so ist…kaum vorstellbar. Und sorry, dass ich nochmehr ins Detail gehe-aber das muss doch unvorstellbar furchtbar riechen? Grad die Verbrennungen…???

  2. Man man man Mike, Du machst och jeden Scheiß mit, wa (ich gehe davon aus, dass Annika nur Mitläufer war)!?
    Das ist ja ekelHAFT!!!!!
    Mich würde auch mal interessieren, ob das nicht total müfft dort…..pfui Spinne….

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